Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser,

„Gott ist Liebe“.

Das heißt doch, Gott tritt zu uns in engste Beziehung und nimmt uns an, wie wir sind: In unserer Bedürftigkeit und Angst, mit unseren Zweifeln und unserem Unglauben und auch mit unseren Schuld- und Bruch-geschichten. Die Bibel hat keinen idealisierten Blick auf uns Menschen, und selbst ein Paulus schreibt im Blick sich selbst: „Das Gute, das ich tun will, das tue ich nicht; aber das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ Nein, wir sind nicht die besseren Menschen. Aber doch hören wir als Ermutigung: „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Subjekt ist hier Gott, wir Menschen sind hier nicht die „Macher“. Gott ist Liebe. Die Verbform für das im Urtext stehende Wort Liebe kann übersetzt werden mit „persönlich begrüßen“, „freundlich aufnehmen“, „froh sein“. Das ist es doch, was wir in der Begegnung mit Jesus Christus erfahren, dass Gott jedes von uns persönlich an sein Herz nimmt, uns freundlich aufnimmt und sich freut über unser Dasein. „Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Das Wörtlein „bleiben“ hat es mir angetan. Wir haben „Bleibe“ in Gottes Liebe, also eine bleibende Heimat, aus der wir durch nichts und niemanden vertrieben werden können: Im Einflussbereich von Gottes Möglichkeiten, im Kraftfeld seiner Liebe, in engster Bindung an Jesus Christus.
Und ich denke, das hat nun auch Folgen für uns selbst. Wir müssen nicht mehr bei uns selbst bleiben und bleiben, die wir sind und die wir waren. Wir müssen unser Dasein nicht mehr definieren vom Mangel her oder gar vom Tod. Weil Gott Liebe ist und Jesus Christus mit uns jeden Tag einen Neuanfang macht, müssen wir auch nicht mehr glauben an unsere Lieblosigkeit und uns vielleicht gar darin einrichten, sondern dürfen um Gottes neuschaffenden Geist bitten, - vielleicht mit folgendem Gebet:
„Ich weiß, dass ich nicht weiterkomme, wenn ich mich nicht ändere, und ich weiß, dass ich mich nicht ändern kann. Das ist der Grund meines Elends. Ich weiß, dass ich mich überwinden muss und dass ich es nicht kann, so oft ich es auch versuche. Überwinde du mich, Gott. Ändere du mich. Wenn du Hand an mich legst, um mich frei zu machen von mir selbst, will ich mich gerne annehmen, wie ich bin und dir nicht im Wege sein. Ich will dir stillhalten. Denn ich weiß, dass ich selbst das Hindernis bin, das du überwinden musst. Liebe du mich, damit auch ich mich lieben kann und meine Mitmenschen zu lieben vermag.“

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Heinrich Schmid