Grußwort

Liebe Leserin, lieber Leser, 

welchen Blick haben wir auf die Welt und auf unser Dasein?
Angesichts der geschundenen Schöpfung, der Kriege, des Hungers ist vielen der Optimismus vergangen, und manche blicken auch sehr verzagt auf ihr eigenes Geschick. Erika Pluhar hat vor Jahren in einem Lied gesungen: „Schau dir das hingespuckte Stück Leben an vom Geborenwerden bis zum Tod. Wie das nur weh tut und uns quält und müde macht, das Suchen nach dem Glück.“ 

Aber nun spricht uns Jesus zu, dass wir mit viel mehr zu rechnen haben als mit dem, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, dem kurzen Glück, den Mühen, den Sorgen und Ängsten. Er selbst ist ja gekommen – zu uns: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Wo aber Er, wo Gott selbst bei uns ist, da kann nichts mehr hoffnungslos sein, auch nicht das, was uns entmutigen möchte: „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein. Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht endlos sein.“ Freilich, dieser Blick auf die Christuswirklichkeit ist unseren natürlichen Augen nicht ohne weiteres zugänglich. Das Geheimnis ist zu groß. Aber wir können Jesus Christus, eben weil er da ist, bitten, dass er uns die Augen des Herzens erleuchte für seine Wirklichkeit, so dass sie zu unserer Wirklichkeit werde. 

Welchen Blick haben wir auf die Welt und auf unser Dasein? 

Auf der ersten Weltkirchenkonferenz 1948 in Amsterdam hielt der Theologe Karl Barth das Hauptreferat zum Thema: „Die Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan.“ Barth schrieb später darüber, dass er die Sache gewissermaßen auf den Kopf gestellt habe. Man solle zuerst von Gottes Heilsplan und dann erst von der Verwirrung der Welt reden. Sonst bestehe die ernste Gefahr, dass die Christenheit stecken bleibe, in ihren Beschreibungen und Beurteilungen und dem Bejammern menschlicher Nöte. 

Ich weiß für mich, dass es gut ist, den Tag zu beginnen nicht mit dem Terminkalender und der Sorge, ob die eigene Kraft ausreicht, sondern mit der Erinnerung an das große göttliche Versprechen, das Jesus Christus uns jeden Tag aufs Neue macht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ 

Es grüßt Sie herzlich 

Ihr Pfarrer Heinrich Schmid