Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser,

„Angewiesen“ heißt das kleine Gedicht von Tina Willms:

Die Krippe
hat ihren Ort
inmitten des Dunklen,
du spürst sie nicht auf
ohne den Engel,
das Lied, 
den Stern.

Wie oft werden wir in diesen Tagen wieder die Worte hören oder sagen: „Frohes Fest.“ Weihnachten – das Fest der Freude, - so heißt es. Aber viele haben dieses Fest erlebt als das Fest der Wehmut, des Heimwehs, der Einsamkeit; der unerfüllten Sehnsucht, der Tränen. Manche haben gar regelrecht Angst vor diesen Tagen. Es kann entlastend und auch befreiend sein, wenn wir die biblischen Weihnachtsberichte und -geschichten lesen. Wir stellen dann nämlich fest, dass Weihnachten Gottes Sache ist, Gottes Geschichte, in die er uns einbeziehen, an der er uns teilhaben lassen will. Den Weisen aus dem Morgenland lässt er einen Stern aufgehen am Himmel, dem sie folgen in ein fernes, fremdes Land, in eine kleine, unbedeutende Stadt. Nicht Jerusalem, sondern Bethlehem. Nicht ein Palast, sondern der Stall. Darüber steht Gottes Stern und dort begegnet Gott den Weisen im Kind: „Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut.“ Auch die Hirten auf dem Feld werden allein durch Gottes Initiative zur Weihnachtsfreude geführt. Gott sendet ihnen seine Engel, die sie zum Kind rufen. Dort erleben sie, wie Gottes Menschenliebe ihre Finsternis in „geweihte Nacht“ wandelt. Nein, es liegt nicht an unseren Voraussetzungen, ob wir in der Lage sind, Weihnachten freudig feiern zu können. Es liegt überhaupt nicht an unserem Vorbereiten und Tun. Es ist sogar gut, wenn wir von uns selber hier viel weniger, aber von Gott alles erwarten. Wir sind „angewiesen“: Gott allein kann uns die wahre Weihnachtsfreude schenken. Und er will´s tun. Er will auch uns, wie die Weisen aus dem Morgenland und wie die Hirten auf dem Feld, führen und leiten und geleiten zur Krippe, zum Kind, zu sich selbst an sein Herz. Er will auch uns hineinrufen in seine Liebe zu uns, um uns erfahren zu lassen, wer wir in Wahrheit sind: Gottes Kinder.

Vielleicht ist es dann allein dies, was not tut: Hören und beten und singen:

„Drum Jesu, schöne Weihnachtssonne, bestrahle mich mit deiner Gunst;
dein Licht sei meine Weihnachtswonne und lehre mich die Weihnachtskunst, 
wie ich im Lichte wandeln soll und sei des Weihnachtsglanzes voll.“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesem Jahr „hoch erfreut“ Weihnachten feiern!

Ihr Pfarrer Heinrich Schmid