Grußwort - Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit

 

 

Liebe Leserinnen und Leser des Gemeindebriefes,

nun steht tatsächlich der Herbst vor der Tür und damit auch der Monat November, von dem ein Mann letztes Jahr zu mir sagte: „Hoffentlich geht dieser Monat schnell vorbei. Der November ist jedes Jahr so anstrengend und grau.“ Im Herbst werden die Tage immer kürzer, Dunkelheit greift um sich, und das Leben erscheint oft grau. Nicht von ungefähr liegen in diesem Monat die Tage, an denen wir der Toten gedenken: Am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres will uns der Volkstrauertag ermahnen, nie wieder menschengemachtes Elend über Land und Menschen zu bringen. Der Buß- und Bettag ruft uns vor Gott in die Verantwortung für unser Tun, bis wir schließlich am letzten Sonntag des Kirchenjahres der Verstorbenen des letzten Jahres gedenken. Und aller anderen, die wir verloren haben und die wir noch immer vermissen.

Ja, grau ist der November, und grau ist oft unsere Gemütslage. Wie schwer ist es, sich an den dunklen Tagen des Novembers die Farben des Lebens in Erinnerung zu rufen: das Rot der Mohnblumen in einem Kornfeld, das Grün der Wälder und Wiesen im Mai, das Blau des Himmels an einem strahlenden Sommertag. Grau ist der November, und es gibt Tage, an denen es einfach nicht hell werden will. Nicht am Himmel und nicht in der Seele. Einer, der allen Grund hatte, sich dem Grau zu ergeben, war Hiob. Alles erdenklich Gute hat sein Leben begleitet, bis ihm alles genommen wurde. Hab und Gut, Familie und Gesundheit. Hiobs Leben war schwer geworden. Sein Grau war eigentlich schon ein Schwarz. Hiob aber steht für das „Trotzdem!“. Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

Diese Worte spricht er in seine Dunkelheit hinein. So hält er dem Grau das Licht entgegen. Das Licht, an dem er sich immer wieder ausrichtet, 0unabhängig von allem, was ihn aus der Bahn werfen will. In nur sieben Worten predigt Hiob seinen ganzen Glauben. Es geht um Gewissheit, die keinen Raum lässt für ein Vielleicht. Hiob ist sich seiner Sache sicher. Er sieht sich in einer unverbrüchlichen Gemeinschaft. Er redet nicht von irgendeinem, sondern von „meinem Erlöser“. Dieser Erlöser bedeutet für ihn das Ende seiner Qualen. Dieser Erlöser bringt ihm Befreiung von seiner Last. Gegen allen Augenschein vertraut er auf Gottes zugewandtes Heilshandeln.

Grau ist der November, vielleicht sogar schwarz-grau. Aber dies ist nicht das letzte Wort, Grau nicht die letzte Farbe. Und so ist auch Weiß die Farbe des Ewigkeitssonntages, des letzten Sonntags im Kirchenjahr. Die Paramente in unserer Johanneskirche werden beim Gottesdienst am Ewigkeitssonntag in Weiß strahlen. Denn in Christus hat Gott den Tod besiegt. Und von Ostern her kommt das neue Licht des Lebens.

Mit den besten Wünschen

Pfarrerin Simone Straub