Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser,

„Woher kommt mir Hilfe?“

Was kann das für eine verzweifelte Frage sein, wenn ich erlebe, dass auch der Arm derer, die mich lieben, zu kurz sein kann und ihre Kraft zu gering, mir Trost, Heilung, Rettung widerfahren zu lassen.

Was kann das für eine verzweifelte Frage sein, wenn mir als Antwort nur die eine bleibt: „Hilf dir selbst!“ 

Wer regelmäßig Pflegeheime besucht, hat gewiss die Schreie mancher alter Menschen schon gehört: „Mama!“ - Rufe nach einem letzten Gehaltensein, das wir uns selbst und auch einander nicht geben können: „Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf.“

Hier in Psalm 27,10 ist beides ausgedrückt: Unsere Bedürftigkeit und die Antwort auf die Frage: „Woher kommt mir Hilfe?“

In der Übersetzung Martin Bubers sind die Worte „aber der Herr nimmt mich auf“ folgendermaßen übersetzt: „Er holt mich heim.“

Gott hat sich in Jesus Christus auf den Weg gemacht, uns in unserer Hilflosigkeit zu suchen und zu finden. Gott ist nicht bei sich selbst geblieben, sondern ist in Jesus Christus jeder und jedem von uns ganz nah, um uns an sein liebevolles Herz zu nehmen, gleich, wo wir uns befinden. Wo Er aber bei uns ist, da sind wir in Wahrheit daheim, - schon jetzt und vielleicht auch in widriger Lebenssituation. Da sind wir angebunden an den, der da ist und der da war und der da sein wird.

Darin besteht die Hilfe Gottes, von der Paulus im Monatsspruch spricht, die er erfahren hat und immer wieder neu erfährt und die ihn aufrecht und mutig stehen lässt auch vor den Mächtigen dieser Welt.

Im Versprechen Jesu Christi, bei uns zu sein alle Tage und uns zu beschenken mit seinen Möglichkeiten, besteht für uns die Hilfe Gottes, die uns stark macht zum Glauben und zum Hoffen und zum Lieben.

Jochen Klepper hat in finsterer Zeit den Grund unseres Vertrauens in einem Gedicht zusammengefasst:

Ja, ich will euch tragen bis zum Alter hin. Und ihr sollt einst sagen, dass ich gnädig bin.

Ihr sollt nicht ergrauen, ohne dass ich´s weiß, müsst dem Vater trauen, Kinder sein als Greis.

Ist mein Wort gegeben, will ich es auch tun, will euch milde heben: Ihr dürft stille ruhn.

Stets will ich euch tragen recht nach Retterart. Wer sah mich versagen, wo gebetet ward?

Denkt der vor´gen Zeiten, wie der Väter Schar voller Huld zu leiten, ich am Werke war.

Denkt der frühern Jahre, wie auf eurem Pfad euch das Wunderbare immer noch genaht.

Lasst nun euer Fragen, Hilfe ist genug. Ja, ich will euch tragen, wie ich immer trug.“

 

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Heinrich Schmid