Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser,

eingeschlossen haben sich die Jünger Jesu, so berichtet es das Johannesevangelium. Zu groß ist ihre Trauer um ihren Herrn. Zu groß sind ihre Schuldgefühle, ihn bei seiner Gefangennahme verlassen und verleugnet zu haben. Zu groß ist ihre Angst, als seine Anhänger und Freunde selbst in die Hände derer zu fallen, die Jesus haben kreuzigen lassen. Verlassenheit, Trauer, Angst, Schuldgefühle – das sind Mächte, die auch uns bisweilen zu einem Gefängnis werden, in das kein Licht fällt und aus dem wir uns selbst nicht befreien können. Doch Jesu Jünger erleben nun, was Ostern heißt. Der Tot-geglaubte lebt und verschafft sich Zugang zu ihrer dumpfen Angstzelle.

„Friede sei mit euch!“ Mit diesen Worten tritt Jesus Christus mitten hinein in den Kreis seiner verzagten und verzweifelten Jünger. Friede sei mit euch! Das ist viel mehr als ein belangloser Gruß. Das ist eine Verheißung. Das ist ein Segen. Das ist die Eröffnung einer neuen Lebensmöglichkeit. Friede sei mit euch! Das ist die göttliche, die österliche Botschaft Jesu Christi an seine Jüngerinnen und Jünger und also auch an uns alle: „Nichts kann euch trennen von meiner Liebe. Ich lebe und bin bei euch alle Tage!“

Friede sei mit euch –
da muss die Trauer weichen, Gott verloren zu haben.

Friede sei mit euch –
da ist unserer Angst vor Menschen und Mächtigen und Mächten und Gewalten eine Grenze gesetzt.

Friede sei mit euch –
da darf unser Versagen und unsere Schuld von gestern uns heute nicht mehr am Leben hindern. Die Schuld ist vergeben. Christus lebt, damit auch wir zu neuem Leben auferstehen: „Unsere Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Netze des Vogelfängers; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.“(Ps. 124)

Ostern heißt, dass Jesus Christus und in ihm Gott selbst da ist für uns und dass er alles in seinen Händen hält. Auch uns. Christus ist unser Friede. Und so, beheimatet an seinem Herzen, erfüllt von seinem Frieden, erleuchtet durch seine Liebe, sendet er uns nun hinein ins alltägliche Leben und Zusammenleben, um dort seinen Frieden, seine Liebe zu bezeugen, um seine Osterzeuginnen und Osterzeugen zu werden. Das traut er uns zu. Dazu schenkt er uns die Möglichkeiten. Dazu ermächtigt er uns:

Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden, wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.

Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen – die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Pfarrer Heinrich Schmid