Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser,

viele junge Familien wohnen in der Johannesgemeinde und so dürfen wir in unseren Gottesdiensten relativ viele Kinder taufen. Jedem Täufling werden dabei Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja zugesprochen: So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. "Fürchte dich nicht!" Dieser Zuspruch Gottes zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Bibel, vom Ersten Buch Mose bis zur Offenbarung des Johannes. "Fürchte dich nicht!" So redete Gott mit den Vätern des Volkes Israel, Abraham, Isaak und Jakob. "Fürchte dich nicht!" sprach er zu Mose und Josua. Dieselben Worte hört im Neuen Testament Maria den Engel sagen, der ihr ankündigt, sie werde Gottes Sohn zur Welt bringen. Und die Hirten in der Weihnachtsgeschichte hören es ebenso wie die Frauen am leeren Grab. Jesus spricht so den Fischer Petrus an, und den Apostel Paulus ermutigt in Griechenland eine nächtliche Vision: "Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht!" Und am Ende der Bibel schließlich, in der Offenbarung des Johannes erklingen die Worte noch einmal: "Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte." Gott steht am Anfang und am Ende. An die Anfänge erinnert Jesaja. Er und seine Zuhörer sind schon in der zweiten Generation im Exil, nach verlorenem Krieg Gefangene der Babylonier. Doch nun kündigt er die Heimkehr an. "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!"

Es tut gut, wenn uns jemand beim Namen ruft, wenn wir die Orientierung verloren haben. Es ist gut, diese Worte zu hören in den dunklen Zeiten des Lebens, in Angst und Sorge, in Trauer und Schmerz. "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen." Wenn Gott mich "bei meinem Namen" ruft, dann ist das eindeutig. Er ruft nicht irgendeine, sondern er meint mich, weil er mich kennt. Mein Name ist ihm vertraut, und mein Name ist mit seinem verbunden. Er kennt Lorenz, Annika, Laila, Lukas, Maximilian, Louisa, Karlo, Emily. Alles Kinder, die in den vergangenen Monaten bei uns getauft worden sind. Er kennt aber auch all die mit Namen, an deren Gräbern wir in diesem Jahr gestanden haben. Er kennt jeden von uns. Für mich sind die Worte: Fürchte dich nicht, ... Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“ das große Versprechen Gottes, uns nie aus den Augen zu verlieren.

Damals zur Zeit des Propheten Jesaja war dieser Satz gerichtet an ein verschüchtertes Volk, das hoffnungslos am Boden liegt. Heute ist dieser Satz an uns gerichtet.

Gesagt uns, die wir unseren Alltag leben und gerne etwas von unserer Zugehörigkeit zu Gott spüren möchten. Gesagt allen, die trauern, weil sie einen Menschen hergeben mussten. Gesagt allen, die sich nach alten Zeiten zurücksehnen und nur zaghaft Neuland betreten wollen. Gesagt all denen, die immer wieder unsicher ihren Lebensweg gehen und die Straße nur selten fröhlich ziehen können.

Gesagt auch Ihnen und mir. "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein."

Es grüßt Sie herzlich,
Pfarrerin Simone Straub