Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser,

am Morgen nach dem Sabbat erreichen die Frauen, die um Jesus trauern, sein Grab. Sie wollen den Leichnam ihres geliebten Meisters salben. Sie haben das Bedürfnis, zurückzublicken auf das, was sie mit Jesus erlebt haben, und sie wollen ihrer Trauer Raum geben. Doch der Grabstein ist weggewälzt, die Grabkammer leer. Zwei Männer in glänzenden Kleidern treten herzu und sprechen die Frauen an: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“

Die Botschaft von Ostern ist die, dass wir Jesus Christus nicht im Vergangenen suchen müssen, sondern dass er lebt und sich von uns finden lässt mitten in unserem Leben, um uns in lebendiger Beziehung mit ihm leben zu lassen. Wo wir Jesus einreihen in die Reihe der Großen der Weltgeschichte, da zählen wir ihn zu denen, die unwiderruflich der Vergangenheit angehören, derer Ideen man sich wohl noch erinnern kann, die aber doch dem Verdikt unterliegen: „Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und welkt, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht.“ (Hiob 14)

In einem Gedicht hat Erich Kästner voller Achtung auf den historischen Menschen Jesus und auf das, wofür er gelebt hat, zurückgeblickt, um zum Ergebnis zu kommen, dass er den Menschen doch nichts genützt habe, weil er an die Verkehrten gekommen sei. Und das Gedicht endet mit Kästners Fazit: „Du hattest sie vergeblich lieb. Du starbst umsonst. Und alles blieb beim Alten.“

Am Ostermorgen aber hören die Frauen durch die Engelsworte, dass Jesus nicht der vergangene Held ihrer Gedanken und Erinnerungen sein will und bleiben muss, sondern dass er sie, die Frauen, erwartet inmitten ihres Lebens, bereit, auch sie neu zu beleben und aufzurichten, ihre Füße auf festen Grund zu stellen und ihnen die Angst zu nehmen vor dem, was kommen mag, ihnen Heimat zu schenken an seinem liebenden Herzen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden!“

Hier wird Ostern bezeugt auch für uns. Der Ewige hat den Tod besiegt. Er ist und bleibt der Lebende und Lebendige, damit auch wir bei ihm zu einem Leben finden, das den Mächten des Todes trotzt und sich in Liebe eingehüllt weiß, - hier wie dort.

Seinen Einladungsruf zum österlichen Leben wollen wir aufs Neue hören – und ihm folgen: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!“

Es grüßt Sie herzlich

 

Ihr Pfarrer Heinrich Schmid